Interim-Report EURAP Deutschland 10/2010
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Ergänzend zum internationalen "EURAP Interim-Report Mai 2010" möchten wir Sie über die aktuelle Datenlage des deutschen EURAP-Registers informieren.
Bis 31. August 2010 wurden in Deutschland 1.589 schwangere Patientinnen mit einer Epilepsie von insgesamt 277 niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten und Kliniken an das EURAP-Register gemeldet (77 Kliniken und 200 Praxen).
Von den 1.589 registrierten schwangeren Frauen nahmen 1433 (90,1%) zum Zeitpunkt der Konzeption Antiepileptika ein, 41 (2,6%) Patientinnen mit Epilepsie befanden sich zum Erhebungszeitpunkt nicht unter einer antiepileptischen Therapie. Bei 115 (6,9%) Patientinnen war diese Information noch nicht vorliegend.
Unter den 1433 schwangeren Patientinnen unter Antiepileptika-therapie waren 1221 (85,6%) Fälle prospektiv und 152 (10,7%) retrospektiv. 54 (3,8%) Fälle konnten aufgrund fehlender Angaben noch nicht zugeordnet werden. Bis auf 17 Schwangerschaften (1,1%) wurden bisher alle registrierten Schwangeren aufgrund einer Epilepsie mit Antiepileptika behandelt. Bei 18 (1,2%) Schwangerschaften wurden diesbezüglich keine Angaben gemacht.
Die folgende Auswertung der deutschen Daten bezieht sich auf 677 abgeschlossene prospektive Fälle.
Geburtshilfliche Outcomes der prospektiven Schwangerschaften

Innerhalb der 677 prospektiv abgeschlossenen Fälle kam es zu 57 spontanen Aborten (8,6 %), darunter 44 (77,2%) unter Monotherapie und 13 (22,8%) unter einer Polytherapie.

In den folgenden Grafiken finden Sie einen Überblick über die Art der Epilepsie der Patientinnen und der Antiepileptikatherapie.
Art der Epilepsie (in %)

79,6 % der prospektiven Patientinnen wurden mit einer Monotherapie behandelt:
Antiepileptika in Mono- und Polytherapie (in %)
Antiepileptika in Monotherapie im internationalen Vergleich (in %)

Kombinationstherapien mit zwei Antiepileptika



Unter den Polytherapien sind die Lamotrigin-Kombinationen am häufigsten vertreten.
Folsäureprophylaxe
Von 616 der abgeschlossenen prospektiven Fälle liegen vollstÄndige Angaben zur Folsäureprophylaxe vor. 49,0 % (N = 331) der Patientinnen erhielt eine Folsäuresubstitution vor der Konzeption, 73,1 % (N = 242) hiervon mit einer Dosierung von 5mg täglich.
Outcome
Aborte: Innerhalb der 677 prospektiven abgeschlossenen Fälle kam es zu 79 Aborten (8,6 %), darunter 53 (91,4 %) unter Monotherapie und 27 (46,5 %) unter einer Polytherapie.
Schwangerschaftsabbrüche: Es erfolgten 22 induzierte Schwangerschaftsabbrüche (3,3%): 9 aus sozialer Indikation, 1 mit einer nicht näher bekannten mütterlich-medizinischen Indikation, 8 aufgrund kindlich-medizinischer Indikation: hiervon waren 4 aufgrund chromosomaler Störungen (Trisomie 18, Trisomie 13, Trisomie 21 sowie Bloch-Salzberger- Syndrom) und 4 aufgrund einer fetalen Fehlbildung (1 Fall mit Spina bifida, 1 Fall komplexeFehlbildung mit Spina bifida und beidseitiger Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, 1 Fall mit einer Anenzephalie, 1 Fall mit einer komplexen Herz- und Nierenfehlbildung). 4 weitere Abbrüche erfolgten aufgrund von anderen nicht näher bezeichneten Entwicklungsstörungen des Feten ohne detaillierte Angaben.
In 5 Fällen (0,6%) ereignete sich eine Totgeburt innerhalb des 2. Trimenons (Gründe hierfür waren vorzeitige frühzeitige Plazentaablösung, Plazentainsuffizienz sowie purulente Chorioamnionitis). Ein Kind verstarb pränatal in der 29,2 SSW durch Sauerstoffmangel nach Tod der Mutter (Speisebrei-Aspiration mit Asphyxie infolge eines epileptischen Anfalls).
Perinatale Mortalität: Geboren wurden 303 Jungen und 285 Mädchen; bei 4 Kindern liegen keine Angaben zum Geschlecht vor. Bei den restlichen 85 Fällen lagen keine Informationen zum Geschlecht vor aufgrund eines vorzeitigen Schwangerschaftsabbruches oder einer Totgeburt.
8 Kinder (1,6%) sind perinatal verstorben. Bei zwei in der 27. SSW Frühgeborenen wurde eine Hirnblutung diagnostiziert. Bei einem dritten Kind wurde eine intrauterine Hypoxie durch ein ausgedehntes retroplazentares Hämatom mit vorzeitiger Plazentaablösung beschrieben, ein weiteres Kind verstarb an den Folgen einer nekrotisierenden Kolitis der Mutter. Weitere Todesursachen waren Amnionaspiration, Nabelschnurumschlingung mit Asphyxie und respiratorisches Versagen. Bei einem Kind blieb die Todesursache unklar.
Im ersten Lebensjahr starb 1 Kind am plötzlichen Kindstod.
Geburtsmodus: Bei 43,6 % (N=258) der Frauen erfolgte die Geburt spontan. 11,7 % (N=69) der Geburten mussten eingeleitet werden. 4,9 % (N=29) der Kinder wurden instrumental entbunden (4,1 % Vakuumextraktion (N=24), 0,8 % Forcepsextraktion (N=5)), bei 39,2 % (N=232) wurde eine Sectio durchgeführt. Eine Sectio erfolgte häufiger bei Frauen mit einer Polytherapie: 50 % versus 36,4 % unter einer Monotherapie.
Zu geburtshilflichen Komplikationen kam es bei 21,7 % (N=104) der Mono- und 29,6 % (N=28) der Polytherapien.
Eine Frühgeburt trat in 52 Fällen (7,7%) auf. In den meisten Fällen handelte es sich um mäßig frühe Frühgeburten in der 32+0 bis 36+6 SSW. Der Anteil unter Monotherapien betrug 7,1 %, unter Polytherapien 10,3 %.
Unter den prospektiv eingeschlossenen und zum derzeitigen Zeitpunkt vollständig abgeschlossenen Fällen kam es zu 41 definitiv klassifizierten großen Fehlbildungen unter Antiepileptikatherapie in der Schwangerschaft. Das entspricht einer Fehlbildungsrate von 6,1% (Monotherapie 5,6%; N=31; Polytherapie 7,9%; N=10). Bei weiteren 6 Fällen war eine eindeutige Klassifikation noch nicht möglich. Bei 1 Patientin mit Epilepsie ohne antiepileptische Therapie traten Fehlbildungen auf.
Major malformations, chromosomale Fehlbildungen und Syndrome




Große Fehlbildungen (Stand August 2010)

Große Fehlbildungen Polytherapie

VSD=Ventrikelseptumdefekt, ASD=Atriumseptumdefekt, PFO=persistierendes Foramen ovale
Konkrete Aussagen zu substanzspezifischen teratogenen Effekten der einzelnen Antiepileptika sind bisher aufgrund noch zu niedriger Fallzahlen nicht möglich.
Prof. Dr. Bettina Schmitz
Dr. Philine Senf
Britta Wandschneider
Nicole Cossa
Nicola Groth
EURAP-Deutschland
Vivantes Humboldt-Klinikum
Klinik für Neurologie mit Stroke Unit und Zentrum für Epilepsie
Am Nordgraben 2
13509 Berlin
eurap.germany@charite.de
EURAP-Deutschland wird unterstützt durch:
Deutsche Gesellschaft für Epileptologie
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Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Eisai GmbH
EURAP ist ein Kooperationsprojekt der Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Neurologie, und der Klinik für Neurologie des Vivantes Humboldt Klinikums, Berlin.
